Nachrichten aus dem Hasen
Gäubote - Artikelempfehlung
07. Juni 2010
Der Spargel sticht die Eierfärbmaschine aus
Bondorf: Wohl über 1 000 Freunde des länglichen Gemüses kommen zu den Haitinger Höfen
Die schöne Spargelzeit ist schnell vorbei. Deshalb: Auf die Münder und hineingebissen ins saftige Gemüse - die zarten Spargelspitzen ausgekostet, die Sauce hollandaise. Zum fünften Mal feierten die Haitinger Höfe bei Bondorf am Wochenende mit ihrem Spargelfest das längliche Gemüse. Die Gäste strömten und brachten Hunger mit, Muse und den Sonnenschein.
Thomas Morawitzky Letzterer natürlich ließ sich nur am Samstag blicken - und der ist nach Erfahrung der Spargelwirte nicht eben der Spargeltag. Da bleibt der Freund
des Gemüses offenbar doch eher noch zu Hause, um dann am Sonntag mit der Familie über die Felder zu schlendern und sich zum Mittag die zarten Spitzen zu geben. Stefan Heinrich, sonst Wirt im Herrenberger Schlosskeller, und Roland Nölly, sonst Wirt im Hotel Hasen, betreuen auf Einladung des Bondorfer Landwirts und Spargelerzeugers
Hermann Hiller seit Jahren das Fest auf dessen Hofgelände kulinarisch. Am Samstag noch munkelte man unter den Landwirten, der Wetterbericht liege falsch, für das
Wochenende sei nur mit minimalen Niederschlägen zu rechnen - der Sonntag allerdings brachte diesbezügliche Ernüchterung und übergroßen Segen von oben: "Es regnete nicht", so Stefan Heinrich danach, "es goss."
Appetit trotz Regengüssen
Aber das war wider Erwarten nicht von Nachteil, schmälerte den Appetit der Gäubewohnerschaft auf den Spargel kein bisschen: Trotz himmlischer Güsse war der Hof am Sonntagmittag voll. Wie in den Jahren zuvor schon hatten die Wirte ein Zelt aufgestellt, unter dem sicherlich 200 Gäste
Platz fanden. Es gab eine lange Theke, an der sich jeder seinen Spargel holen konnte. Nebenan noch ein Pavillon, unter dem ein Bäcker seine Torten und Kuchen anbot, außerdem Schnecken und Flammkuchen - und keine Musik: Die nämlich stört, so stellte man in Bondorf in den letzten Jahren
anlässlich entsprechender Experimente fest, eher schon die gemächliche Verdauung.
Die Spargel, die Hiller anbaut, stammen aus Holland. Mit deutscher Ware hat er eher schlechte Erfahrungen gemacht. Im
vergangenen Jahr waren es 30 bis 40 Kisten Spargel, die beim Fest im Magen der Besucher landeten - eine dieser Kisten fasst etwa 12,5 Kilogramm. Allein am Samstagmittag wurden in diesem Jahr schon zehn Kisten verspeist. Fünf Hektar Spargelanbaufläche liegen vor den Höfen. Das Land ist
weitflächig mit Folie abgedeckt, "sonst", erklärte der Landwirt, "wird die Erde matschig".
Drei Tonnen Spargel wirft ein Hektar im Schnitt ab. Die Spargelzeit in Bondorf beginnt Ende April und dauert meist
bis zum 13. Juni - anderen Orts, sagte Hiller, kann sie auch länger gehen, aber man solle ja Schluss machen, wenn es am
schönsten ist. Die Spargelernte ist eine Zeit
frühsommerlichen Hochgefühls. Ende Juni setzt da schon die große Sättigung ein, der Spargelrausch klingt ab. An diesem
Wochenende zumindest hatte Roland Nölly noch allerhand zu tun, saß er doch hinter der Kulisse des Bondorfer Spargelfestes und schälte, schälte, schälte. Sowohl Nölly
als auch Heinrich waren in Bondorf mit jeweils sechs Mitarbeitern im Einsatz. Der Gemüseheißhunger erfordert ein gestrichenes Maß an Küchenlogistik.
Hermann Hiller indes hatte in diesem Jahr ursprünglich geplant, das Fest mit einem Tag der offenen Tür zu verbinden und dem Publikum auch seine neue Eierfärbmaschine
vorzustellen. Hühnereier, das weiß der Laie nicht unbedingt, werden nämlich nicht nur zur Osterzeit gefärbt, sondern überhaupt, da sie - abgekocht als Vespereier - mit
einfarbigem Überzug länger haltbar sind. Die Hühnerbesitzer der näheren Umgebung mussten bislang weitere Wege in Kauf nehmen, um ihre Eier färben zu lassen. Die Bondorfer Maschine, zu der nun die Wege der Hühnerhalter führen, schafft 3 000 Eier in der Stunde. Die Nachfrage nach einer
Präsentation allerdings war am Wochenende nicht groß, die Maschine blieb aus. Wer den Weg auf die Haitinger Höfe fand,der ließ sich lieber vom Spargel betören. Sicherlich 1 000 hungrige Feinschmecker kamen 2009. Heuer waren es vermutlich mehr: "Das Geschäft brummt", so Stefan Heinrich am
Sonntagmittag.
